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Welches Objektiv für das Portrait wählen: Brennweiten, Blenden und Anwendungsfälle

Festbrennweite oder Zoom, f/1.4 oder f/2.8, 50 mm oder 85 mm: Die Auswahl ist groß und die Ratschläge oft vage. Dieser Guide analysiert jeden Parameter mit konkreten Kriterien, damit Sie eine klare Antwort erhalten.

13 Min. Lesezeit

Warum die Objektivwahl im Portrait alles verändert

Das Gehäuse zeichnet das Licht auf. Das Objektiv bestimmt Perspektive, Bokeh und Verzeichnung. Im Portrait entscheiden diese drei Faktoren, ob das Gesicht vorteilhaft oder verzerrt wirkt.

Eine kurze Brennweite aus geringer Entfernung verzerrt die Gesichtsproportionen ungünstig: Die Nase wirkt breiter, die Stirn größer. Eine lange Brennweite aus größerer Distanz flacht die Züge leicht ab und wirkt schmeichelhafter. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern optische Geometrie.

Die maximale Blende bestimmt zwei Dinge: die Fähigkeit, das Motiv vom Hintergrund zu isolieren (Bokeh), und den Spielraum bei schwachem Licht. Ein f/1.8 lässt 2,8-mal mehr Licht ein als ein f/3.5. Bei einem Portrait im Innenraum ohne Blitz ist dieser Unterschied oft entscheidend.

35 mm
Vielseitige Brennweite, Umgebungsportrait
85 mm
Referenzbrennweite, schmeichelhaftes Nahportrait
135 mm
Lange Brennweite, maximale Kompression
f/1.4–f/1.8
Zielblende zur Motivisolierung

Brennweite und Perspektive: Was die Zahlen wirklich bedeuten

Die Brennweite ist nicht nur ein Bildwinkel. Sie bestimmt die räumliche Beziehung zwischen Motiv und Umgebung sowie zwischen den Ebenen des Gesichts.

Perspektivische Verzeichnung: ein mechanischer Effekt, kein optischer Fehler

Ein Gesicht aus 35 cm mit einem 24 mm zu fotografieren erzeugt eine sichtbare perspektivische Verzeichnung: Die Nase, näher am Objektiv, wirkt überproportional. Das ist kein Fehler des Objektivs, sondern die Folge der Nähe. Mit derselben Brennweite zurückzutreten verringert diesen Effekt, integriert aber mehr Hintergrund.

Umgekehrt erfordert ein 135 mm einen Arbeitsabstand von etwa 1,5 bis 2 Metern für ein Kopf-Schulter-Portrait. Dieser Abstand reduziert mechanisch die perspektivische Verzeichnung und erzeugt eine leichte Kompression der Ebenen, die bei den meisten Gesichtern als schmeichelhaft wahrgenommen wird.

Brennweite (Vollformat)Typischer Abstand beim NahportraitWirkung auf das GesichtPassender Kontext
35 mm60–80 cmLeichte Verbreiterung, Kontext sichtbarUmgebungsportrait, Reportage
50 mm80–100 cmNahe der natürlichen Wahrnehmung, neutralLifestyle-Portrait, Einsteiger
85 mm100–150 cmSchmeichelhaft, leichte KompressionStudio-Portrait, Mode
105–135 mm150–250 cmMarkante Kompression, starkes BokehBeauty-Portrait, intim
Distanzen und Wirkungen – Richtwerte auf Vollformatsensor 24x36 mm.

Crop-Faktor: Brennweiten auf APS-C und Micro 4/3 umrechnen

Auf einem APS-C-Sensor (Crop-Faktor 1,5x bei Nikon und Sony, 1,6x bei Canon) verhält sich ein 50 mm wie ein 75–80 mm Vollformat-Äquivalent. Das ist eine gute Nachricht für das Portrait: Ein 50 mm f/1.8 APS-C bietet einen Bildwinkel nahe dem 85 mm Vollformat, oft zu zwei- bis dreimal geringerem Preis.

Bei Micro 4/3 (Faktor 2x) entspricht ein 45 mm einem 90 mm Vollformat. Nutzer dieses Systems erhalten sehr kompakte und leichte Portrait-Brennweiten.

Maximale Blende: Bokeh, Licht und Schärfentiefe

Die Blende wird am häufigsten genannt und am häufigsten missverstanden. Hier erfahren Sie, was Sie vor dem Kauf wissen müssen.

Die maximale Blende eines Objektivs bestimmt zwei verschiedene Dinge: die aufgenommene Lichtmenge und die Schärfentiefe. Diese beiden Effekte sind verknüpft, aber nicht identisch.

Ein f/1.4 lässt 4-mal mehr Licht ein als ein f/2.8. In der Praxis entspricht das einem Unterschied von 2 EV: Bei f/1.4 und 1/200 s erhalten Sie dieselbe Belichtung wie bei f/2.8 und 1/50 s. Für ein Portrait in Bewegung im Innenraum ist dieser Spielraum entscheidend.

Nahaufnahme der Frontlinse eines Canon-Objektivs, vor das Gesicht des Fotografen gehalten.
Die maximale Blende eines Objektivs bestimmt Bokeh und Lichtausbeute.

Schärfentiefe und Bokeh: zwei zu unterscheidende Begriffe

Die Schärfentiefe bezeichnet den scharfen Bereich des Bildes. Bei f/1.4 an 85 mm aus 1,5 Metern beträgt sie etwa 2 bis 3 cm. Das bedeutet: Sind die Augen scharf, können die Ohren bereits unscharf sein. Das ist eine starke künstlerische Entscheidung, keine universell wünschenswerte Einstellung.

Das Bokeh bezeichnet die Qualität des Hintergrundunschärfe: seine Weichheit, seine Form, das Fehlen harter Konturen. Es hängt von der Anzahl der Blendenlamellen, der optischen Konstruktion und dem Abstand Motiv-Hintergrund ab. Ein gut konstruiertes f/1.8 kann ein angenehmeres Bokeh erzeugen als ein preiswertes f/1.4.

f/1.4 – f/1.8

Lichtstarke Blende

  • Markantes Bokeh, starke Motivisolierung
  • Ideal bei schwachem Licht ohne Blitz
  • Sehr geringe Schärfentiefe: kritische Schärfe
  • Höherer Preis, oft höheres Gewicht

f/2.8

Mittlere Blende

  • Vorhandenes Bokeh, aber komfortablere Schärfentiefe
  • Verzeihendere Schärfe bei bewegten Motiven
  • Oft bei vielseitigen Zooms verfügbar
  • Guter Kompromiss für Studio-Portraits mit Beleuchtung

Festbrennweite oder Zoom: Die echte Abwägung

Diese Frage kommt immer wieder. Die Antwort hängt von Ihrer Arbeitsweise ab, nicht von einer Qualitätshierarchie.

Festbrennweiten bieten bei gleichem Budget eine größere maximale Blende und oft eine höhere optische Qualität. Ein 85 mm f/1.8 Festbrennweite kostet in der Regel weniger als ein 24-70 mm f/2.8 Zoom und erzeugt ein stärkeres Bokeh sowie eine bessere Lichttransmission.

Zooms bieten Vielseitigkeit. Ein 24-70 mm f/2.8 ermöglicht den Wechsel vom Umgebungs- zum Nahportrait, ohne das Objektiv zu wechseln. Bei Reportage oder Hochzeit hat diese Flexibilität einen konkreten Wert.

Mehrere Kameraobjektive flach auf dunklem Untergrund, darunter ein Vintage-28-mm-f/2,8-Objektiv.
Festbrennweite oder Zoom: Jedes Objektiv bedient einen anderen Porträt-Einsatz.
  1. 1

    Sie arbeiten im Studio mit künstlicher Beleuchtung

    Das Licht ist kein Problem. Die Vielseitigkeit des Zooms ist weniger nützlich. Eine 85 mm oder 105 mm f/1.8 Festbrennweite ist die logische Wahl.

  2. 2

    Sie fotografieren Veranstaltungen (Hochzeiten, Reportagen)

    Sie wechseln den Bildwinkel schnell. Ein 24-70 mm f/2.8 Zoom oder eine vielseitige 35 mm Festbrennweite passt besser zu dieser Anforderung.

  3. 3

    Sie steigen mit begrenztem Budget ein

    Ein 50 mm f/1.8 oder 85 mm f/1.8 Ihrer Bajonettreihe ist der effizienteste Einstieg. Diese Objektive sind bei allen großen Bajonetten für unter 500 Euro erhältlich.

  4. 4

    Sie streben maximale Qualität ohne Gewichtsbeschränkung an

    Ein 85 mm f/1.4 oder 135 mm f/1.8 der oberen Klasse rechtfertigt seinen Preis durch die Bokeh-Qualität und die Schärfe in der Bildmitte bereits bei offener Blende.

Das 50 mm: Der rationale Einstieg

Das 50 mm wird oft als Universalbrennweite dargestellt. Im Portrait hat es reale Stärken und klare Grenzen.

Auf Vollformat erzeugt das 50 mm einen Bildwinkel nahe der menschlichen Wahrnehmung. Es erfordert keinen großen Rückzug und ermöglicht Portraits im Kontext mit sichtbarer Umgebung. Es ist die zugänglichste Brennweite: Die 50 mm f/1.8 der großen Bajonettreihen liegen zwischen 200 und 400 Euro, je nach Hersteller.

Seine Grenze beim Nahportrait: Unter 80 cm beginnt die perspektivische Verzeichnung, die Nase leicht zu verbreitern. Für ein reines Kopfportrait muss man zurücktreten, was mehr Hintergrund einbezieht. Auf APS-C wird das 50 mm zu einem Äquivalent von 75–80 mm, was es in den komfortablen Bereich des schmeichelhaften Portraits rückt.

Das 85 mm: Die Referenz für schmeichelhafte Portraits

Das 85 mm ist die am häufigsten genannte Portraitbrennweite. Dieser Ruf ist verdient, verdient aber auch eine Erklärung.

Aus 1 bis 1,5 Metern Abstand erzeugt das 85 mm eine Kopf-Schulter-Ausschnitt mit leichter Kompression der Züge. Diese Kompression wird als schmeichelhaft wahrgenommen: Sie reduziert optisch die Tiefe der Nase und harmonisiert die Gesichtsproportionen. Deshalb hat sich diese Brennweite als Standard im Mode- und Beauty-Portrait durchgesetzt.

Jede große Bajonettreihe bietet eine schnelle Portraitbrennweite um 85 mm: ein 85 mm f/1.8 bei Sony FE und Nikon Z, ein 85 mm f/2 (und ein 85 mm f/1.2 L) bei Canon RF sowie das 56 mm f/1.2 als 85 mm-Äquivalent bei Fujifilm X. Ihr Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Regel ausgezeichnet. Die 85 mm f/1.4 bieten ein cremigeres Bokeh und eine zusätzliche Öffnung von 0,67 EV, allerdings bei deutlich höherem Gewicht und Preis.

Das 85 mm f/1.8 ist wahrscheinlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, um ernsthaft mit dem Portrait zu beginnen. Es deckt 80 % der Situationen ohne größere Kompromisse ab.

Teddy, camera-duel.com

85 mm f/1.4 vs. 85 mm f/1.8: Die richtige Abwägung

Der Unterschied von 0,67 EV zwischen f/1.4 und f/1.8 ist real, aber selten entscheidend. In der Praxis ist die Schärfentiefe bei f/1.4 so gering (etwa 2 cm bei 1,2 Metern), dass die Schärfe auf die Augen kritisch wird, besonders wenn sich das Motiv leicht bewegt. Viele Profifotografen nutzen ihr f/1.4 bei f/2, um an Schärfekomfort zu gewinnen und dennoch ein großzügiges Bokeh zu behalten.

Das f/1.8 ist bei der Schärfe verzeihender und liefert in Serien gleichmäßigere Ergebnisse. Für professionelle Studioarbeit ist das f/1.4 gerechtfertigt. Für gemischte Nutzung oder begrenztes Budget ist das f/1.8 die rationale Wahl.

Lange Brennweiten: 105 mm und 135 mm für intime Portraits

Jenseits des 85 mm nimmt die Kompression zu und der Arbeitsabstand wird größer. Diese Brennweiten haben ihre eigene Logik.

Das 105 mm und das 135 mm erfordern einen Arbeitsabstand von 1,5 bis 2,5 Metern für ein Kopf-Schulter-Portrait. Dieser Abstand schafft eine physische Trennung zwischen Fotograf und Motiv, was natürlichere Mimik begünstigen kann: Das Motiv fühlt sich weniger aus der Nähe beobachtet.

Die perspektivische Kompression ist stärker als beim 85 mm. Der Hintergrund wird stärker komprimiert und unscharf, selbst bei f/2 oder f/2.8. Diese Brennweiten sind besonders wirksam beim Beauty-Portrait, wo man die Züge abflachen und ein sehr weiches Bokeh erzeugen möchte.

Praktische Einschränkungen langer Brennweiten

Der größere Arbeitsabstand kann in Innenräumen zum Problem werden. In einer kleinen Wohnung oder einem kleinen Studio kann ein 135 mm für ein Ganz- oder Halbportrait schwer zu nutzen sein. Das 105 mm ist oft der bessere Kompromiss zwischen Kompression und Handhabbarkeit in beengten Räumen.

Das Gewicht ist ebenfalls ein Faktor. Die aktuellen 135 mm f/1.8 (z. B. Sony FE 135 mm f/1.8 GM) wiegen über 950 Gramm. Bei langen Sessions macht sich dieser Unterschied bemerkbar.

Das 35 mm: Das Portrait mit Kontext

Das 35 mm ist im engeren Sinne keine Portraitbrennweite. Es erfüllt jedoch einen realen Bedarf, den die anderen Brennweiten nicht abdecken.

Das 35 mm ist die Brennweite des Umgebungsportraits: jenes, bei dem Ort, Atmosphäre und Kontext Teil des Bildes sind. Ein Portrait eines Reisenden vor einer Landschaft, eines Kochs in seiner Küche, eines Musikers auf der Bühne: Diese Situationen erfordern eine Brennweite, die die Umgebung integriert, ohne sie übermäßig zu verzerren.

Aus 80 cm bis 1 Meter Abstand erzeugt das 35 mm eine leichte Verbreiterung der Züge. Daher sollten Sie mit dieser Brennweite sehr enge Portraits vermeiden und eher Halb- oder Ganzkörper-Ausschnitte wählen. Auf APS-C erzeugt ein 24 mm oder 23 mm ein 35–37 mm Vollformat-Äquivalent.

35 mm

Umgebungsportrait

  • Kontext im Bild integriert
  • Ideal für Reportage und Reisen
  • Halb- oder Ganzkörper-Ausschnitt empfohlen
  • Verzeichnung bei sehr engem Portrait sichtbar

85 mm

Klassisches Portrait

  • Motivisolierung, unscharfer Hintergrund
  • Schmeichelhaft ab Kopf-Schulter-Ausschnitt
  • Weniger geeignet für kleine Räume
  • Referenz für Mode- und Beauty-Portrait

Der 24-70 mm f/2.8 Zoom: Vielseitigkeit zum Preis der Blende

Der 24-70 mm f/2.8 ist das Referenzobjektiv von Hochzeits- und Eventfotografen. Sein Verhältnis zum Portrait verdient eine genaue Betrachtung.

Bei 70 mm f/2.8 liefert der 24-70 mm ein korrektes Portrait mit vorhandenem, aber weniger ausgeprägtem Bokeh als ein 85 mm f/1.8. Der Belichtungsunterschied zwischen f/1.8 und f/2.8 beträgt 1,3 EV: Bei gleicher Empfindlichkeit erfordert das f/2.8 eine 2,5-mal langsamere Verschlusszeit oder eine entsprechend höhere ISO.

Der wahre Wert des 24-70 mm f/2.8 liegt in der Vielseitigkeit: Ein einziges Objektiv deckt Umgebungsportrait (24–35 mm), Lifestyle-Portrait (50 mm) und Nahportrait (70 mm) ab. Für einen Hochzeitsfotografen, der schnell zwischen Situationen wechselt, ist das ein starkes Argument. Für einen Studio-Porträtisten ist es nicht das richtige Werkzeug.

Die Brennweite an jede konkrete Situation anpassen

Die allgemeinen Regeln haben Ausnahmen. Hier erfahren Sie, wie Sie je nach realem Aufnahmekontext entscheiden.

Portrait im Studio mit künstlicher Beleuchtung

Im Studio ist das Licht kontrolliert. Die maximale Blende ist weniger kritisch als bei natürlichem Licht. Sie können bei f/4 oder f/5.6 arbeiten, um die Schärfentiefe bei Gruppenportraits zu maximieren, oder bei f/2 für ein isoliertes Beauty-Portrait. Das 85 mm oder das 105 mm sind die Referenzbrennweiten. Der verfügbare Platz bestimmt die Wahl: Ein 20 m² Studio begrenzt die Nutzung des 135 mm bei Ganzkörperportraits.

Portrait im Freien bei natürlichem Licht

Im Freien ändert sich das Licht. Ein 85 mm f/1.8 bei f/2 in voller Sonne erfordert eine sehr hohe Verschlusszeit oder einen ND-Filter. Prüfen Sie, ob Ihr Gehäuse eine ausreichend hohe mechanische Verschlusszeit unterstützt (in der Regel 1/4000 s oder 1/8000 s), bevor Sie bei hellem Tageslicht mit offener Blende arbeiten.

Das 35 mm ist im Freien oft praktischer, um die Umgebung einzubeziehen. Das 85 mm bleibt die Referenz, um das Motiv vor einem unscharfen natürlichen Hintergrund zu isolieren.

Reise- und Reportageportrait

Auf Reisen zählen Gewicht und Größe ebenso wie die optische Qualität. Ein kompaktes 35 mm f/1.8 oder ein leichtes 50 mm f/1.8 deckt die meisten Portrait-Situationen auf Reisen ab, ohne den Rucksack zu belasten. Auf APS-C erzeugen diese Brennweiten 52 mm- und 75 mm-Vollformat-Äquivalente und sind damit sehr vielseitig.

SituationEmpfohlene BrennweiteZielblendeHinweis
Studio, Beauty-Portrait85–105 mmf/1.8–f/2.8Ausreichend Platz für 105 mm erforderlich
Hochzeit, Event35–85 mm oder 24-70 mm f/2.8f/1.8–f/2.8Vielseitigkeit hat Priorität
Portrait im Freien85 mmf/1.8–f/2ND-Filter bei voller Sonne
Umgebungsportrait35 mmf/1.8–f/2.8Kontext im Bild integriert
Reiseportrait, leicht35–50 mm f/1.8f/1.8–f/2.8Kompakt und vielseitig auf APS-C
Empfehlungen nach Situation, Vollformat-Äquivalente.

Budget und Bajonettreihe: Richtig wählen ohne Fehlgriff

Das beste Portraitobjektiv ist das, das zu Ihrem Bajonett passt. Ein hervorragendes 85 mm im falschen Bajonett nützt nichts.

Bevor Sie in ein Portraitobjektiv investieren, prüfen Sie das Angebot in Ihrer Bajonettreihe. Die großen Hybrid-Bajonettreihen bieten alle mindestens eine schnelle native Portraitbrennweite: ein 85 mm f/1.8 bei Sony FE und Nikon Z, ein 85 mm f/2 bei Canon RF sowie das 56 mm f/1.2 als 85 mm-Äquivalent bei Fujifilm X. Neuere oder weniger verbreitete Bajonettreihen können ein begrenztes Angebot haben, was Sie zu Adaptern mit Kompromissen beim Autofokus zwingt.

Der Gebrauchtmarkt ist bei Portrait-Festbrennweiten besonders interessant. Ein 85 mm f/1.8 der Vorgängergeneration in gutem Zustand ist oft 30–40 % günstiger als neu, bei identischer optischer Qualität. Portraitobjektive sind mechanischen Belastungen wenig ausgesetzt (kein Zoom, Studio- oder posierte Nutzung): Das Gebrauchtrisiko ist bei diesem Segment gering.

Objektiv nach Ihrem Gehäuse wählenObjektiv-Auswahlwerkzeug nach Bajonett und Nutzung auf camera-duel.com

Autofokus und Stabilisierung: Was im Portrait wirklich zählt

Autofokus und Stabilisierung werden im Portrait oft als sekundäre Kriterien dargestellt. Sie verdienen eine nuanciertere Betrachtung.

Beim posierten Studio-Portrait ist ein schneller Autofokus nicht kritisch. Sie können manuell scharfstellen oder den Einzel-AF auf die Augen nutzen, ohne Zeitdruck. Beim Portrait in Bewegung (Kinder, Tanz, Reportage) hingegen führt ein langsamer oder unpräziser Autofokus zu ganzen unscharfen Serien.

Die Gesichts- und Augenerkennung ist bei aktuellen Hybridgehäusen Standard geworden. Sie verändert die Arbeit im Portrait grundlegend: Der Fokus folgt dem Auge des Motivs, auch wenn es sich bewegt. Diese Funktion hängt vom Gehäuse, nicht vom Objektiv ab, doch ein Objektiv mit schnellem AF-Antrieb (Linearmotor oder Ultraschall) nutzt diese Fähigkeit besser aus.

Die optische Stabilisierung (OIS) im Objektiv bietet bei posierten Portraits in schwachem Licht einen Sicherheitsspielraum: Sie ermöglicht langsamere Verschlusszeiten ohne Verwacklungsunschärfe des Fotografen. Sie ersetzt nicht die Sensorstabilisierung (IBIS), addiert sich aber bei Gehäusen mit kombinierter Stabilisierung. Beim Portrait in Bewegung ist die Stabilisierung nicht prioritär: Die Verschlusszeit friert das Motiv ein, nicht die Stabilisierung.

Zwei Gehäuse für das Portrait vergleichenVergleichen Sie Gehäuse nebeneinander auf camera-duel.com, um AF und IBIS zu bewerten

Zusammenfassung: Welche Brennweite passt zu Ihrem Profil

Hier sind die konkreten, direkten Empfehlungen je nach Ihrer Situation.

  1. 1

    Sie steigen mit begrenztem Budget ins Portrait ein

    50 mm f/1.8 Ihrer Bajonettreihe. Es ist das günstigste, leichteste und vielseitigste Objektiv zum Lernen. Auf APS-C erzeugt es ein 75–80 mm Vollformat-Äquivalent, ideal für das Portrait.

  2. 2

    Sie möchten die Referenzbrennweite für das klassische Portrait

    85 mm f/1.8 Ihrer Bajonettreihe. Es deckt 80 % der Portrait-Situationen mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis ab. Es ist die logische erste Anschaffung nach dem 50 mm.

  3. 3

    Sie fotografieren Hochzeiten oder Veranstaltungen

    24-70 mm f/2.8 oder Kombination aus 35 mm f/1.8 + 85 mm f/1.8. Die Vielseitigkeit hat Vorrang vor der maximalen Blende in dynamischen Situationen.

  4. 4

    Sie streben Beauty- oder Mode-Portrait im Studio an

    85 mm f/1.4 oder 105 mm f/1.8–f/2 je nach verfügbarem Platz. Die Investition rechtfertigt sich durch die Bokeh-Qualität und die Kompression der Züge.

  5. 5

    Sie fotografieren auf Reisen mit leichtem Rucksack

    35 mm f/1.8 kompakt auf APS-C (52 mm Äquivalent) oder 50 mm f/1.8 Vollformat. Der Kompromiss aus Gewicht und Qualität ist für Reiseportraits optimal.

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Häufige Fragen

Welche ist die beste Brennweite für das Portrait?

Das 85 mm ist die Referenzbrennweite für das Portrait auf Vollformat. Es erzeugt eine leichte, schmeichelhafte Kompression der Züge, ein markantes Bokeh bei f/1.8 und einen komfortablen Arbeitsabstand von etwa 1 bis 1,5 Metern für ein Kopf-Schulter-Portrait. Auf APS-C erzeugt ein 50 mm oder 56 mm ein 75–85 mm Vollformat-Äquivalent mit denselben Vorteilen.

Ist ein 85 mm f/1.4 oder f/1.8 für das Portrait besser?

Für die Mehrheit der Fotografen ist das 85 mm f/1.8 die beste Wahl. Der Belichtungsunterschied zwischen f/1.4 und f/1.8 beträgt 0,67 EV und ist selten entscheidend. Bei f/1.4 ist die Schärfentiefe so gering (etwa 2 cm bei 1,2 Metern), dass die Schärfe auf die Augen kritisch wird, wenn sich das Motiv leicht bewegt. Das f/1.8 ist gleichmäßiger, leichter und günstiger. Das f/1.4 ist im spezialisierten Beauty-Studio gerechtfertigt.

Kann man mit einem 24-70 mm f/2.8 Zoom Portraits machen?

Ja, bei 70 mm f/2.8 ist das Ergebnis korrekt mit vorhandenem Bokeh. Der Unterschied zu einem 85 mm f/1.8 beträgt jedoch 1,3 EV Belichtung und ein deutlich weniger ausgeprägtes Bokeh. Der 24-70 mm f/2.8 ist sinnvoll, wenn das Portrait eine von mehreren Tätigkeiten ist (Hochzeit, Event). Wenn das Portrait Ihr Hauptzweck ist, liefert eine 85 mm f/1.8 Festbrennweite bessere Ergebnisse, oft zu einem niedrigeren Preis.

Welche Portraitbrennweite auf APS-C?

Auf APS-C (Crop-Faktor 1,5x bei Nikon und Sony, 1,6x bei Canon) gelten folgende Äquivalente:

- 35 mm APS-C = 52–56 mm Vollformat (Lifestyle-Portrait) - 50 mm APS-C = 75–80 mm Vollformat (schmeichelhaftes Portrait) - 56 mm APS-C = 84–90 mm Vollformat (85 mm Äquivalent)

Ein 50 mm f/1.8 oder 56 mm f/1.4 natives APS-C-Objektiv ist die logischste Wahl für den Einstieg ins Portrait auf diesem Format.

Ist das 35 mm für Portraits geeignet?

Das 35 mm eignet sich für das Umgebungsportrait, bei dem der Kontext Teil des Bildes ist. Es wird für sehr enge Portraits (nur Kopf) nicht empfohlen, da die perspektivische Verzeichnung die Züge aus kurzer Distanz leicht verbreitert. Für Halb- oder Ganzkörper-Ausschnitte mit sichtbarem Kontext ist es eine ausgezeichnete Brennweite, besonders auf Reisen und bei Reportagen.

Braucht man ein stabilisiertes Objektiv für Portraits?

Die optische Stabilisierung (OIS) ist bei posierten Portraits in schwachem Licht nützlich: Sie ermöglicht langsamere Verschlusszeiten ohne Verwacklungsunschärfe des Fotografen. Sie ersetzt nicht eine ausreichend kurze Verschlusszeit, um ein bewegtes Motiv einzufrieren. Beim posierten Portrait ist die Stabilisierung ein angenehmer Komfort. Beim dynamischen Portrait (Kinder, Tanz) ist die Verschlusszeit entscheidend, nicht die Stabilisierung.

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